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Bach blinkt und strahlt wie frisch poliert

Datum:20.12.2011
Zeitung:Dürener Zeitung
Alles andere als museale Musik: die Cappella Villa Duria meistert das Weihnachtsoratorium in der Kirche St. Michael.

Ihr Bach wirkte ganz wie von heute: Dirigent Johannes Esser sowie Bachchor und -Orchester der Cappella Villa Duria beeindruckten das Publikum in der Lendersdorfer Kirche St. Michael. Foto: Hahn


Von Christoph Hahn

Lendersdorf. Bachs Weihnachts­oratorium aufs Programm zu set­zen - das zeugt schon von einem gewissen Mut, denn dieses Meis­terwerk des Barock ist auf Schall­platten, bei den Klassikwellen im Radio und bei den Konzertveran­staltern recht präsent. Wer sich diese bedeutende Komposition des großen Leipziger Thomaskantors trotzdem vornimmt, muss sich an hohen Ansprüchen und prominenten Interpreten messen lassen - Harnoncourt hin, Koopman her.

Magnetische Zugkraft
Johannes Esser und die Mitglieder von Bachchor und -orchester der Cappella Villa Duria nebst Solisten haben mit ihrer Darbietung in der Lendersdorfer Pfarrkirche St. Michael also Mut zum Risiko bewie­sen. Couragiert und engagiert ha­ben sich Dirigent und Mitwir­kende den ambitionierten Standards gestellt. Ihre Leistung konnte sich durchaus hören lassen und beeindruckte das Publikum in dem proppenvollen Gotteshaus merk­lich.

Dass in dieser rund anderthalb pausenlose Stunden langen Auf­führung keine Minute zu lang wirkte, liegt an der magnetischen Zugkraft, die der Dirigenten mit bisweilen forderndem Gestus zu entfalten wusste. Jeder Akkord und jede melodische Sequenz wirkte wie blank poliert. Der Bach der Cappella Villa Duria blinkte und strahlte.

Museale Musik von gestern oder gar vorgestern war dieses Weih­nachtsoratorium ganz gewiss nicht. Mit der vom künstlerischen Leiter, den Ensembles und den vier Gesangssolisten entfalteten Ener­gie wirkte dieser Bach recht heutig, lebendig und dynamisch. Das liegt maßgeblich am Orchesterklang, der ausgesprochen schlank und durchhörbar anmutete. Jedwede pompöse Schwere lag hier fern, und ebenso jegliche Süßlichkeit, die eine solche Darbietung unver­daulich hätte wirken lassen. Stattdessen bestimmten Flüssigkeit und musikalische Breitwand-Effekte die Interpretation.

Für das Intime, persönliche Be­rührende sorgten dabei Annika Boos (Sopran), Susanna Frank (Alt), Jörg Nitschke (Tenor) und Wolfgang Tombeux (Bass), die ihre Soli ein ums andere Mal mit dramatischer Leuchtkraft und stimm­licher Beweglichkeit vortrugen. Für Glanzlichter sorgten auch Flöte und Trompete. Wer da vor den Zuhörern seine Virtuosität be­wiesen hat, verriet das Programm indes leider nicht. Nicht so ganz leicht hatten es die Sängerinnen und Sänger des Chores, denn in der relativ kleinen Dorfkirche wirkten die Turba-Szenen, in de­nen das Volk sich durch sie Stimme verschaffte, doch eine Spur zu laut.

Doch das lag nicht an den Ausfüh­renden, sondern war dem Ge­bäude und den daraus resultieren­den Umständen geschuldet. Was Bach durch seine Musik an Rhetorik entfaltet - das setzen die Mitwirkenden auf jeden Fall 1:1 um.

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