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"Konzert beim dicken Lüderjahn"

Datum:19.02.2013
Zeitung:Dürener Zeitung
Eindrucksvolles Spiel auf Schloss Burgau




Niederau. „Konzert beim dicken Lüderjahn“: Der Titel des jüngsten Cappella-Villa-Duria-Konzerts auf Schloss Burgau spielte mit dem leicht Anrüchigen und brachte dennoch – wie sollte es auch anders sein – kammermusikalische Feinkost. Mit Werken von Beethoven, Boccherini und Mozart gestalteten Alexander Puliaev am Hammerklavier und sein Künstlerkollege Alexander Scherf am Cello das Programm einer Soirée nach, wie sie vor rund 250 Jahren am Hof des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II., dem das Volk ob seiner Amouren den frivolen Beinamen gab, hätte erklingen können. Kleine Besetzung, großer Rahmen: So lässt sich die Art und Weise, mit der das Duo die Werke nahebrachte, bilanzieren. Denn vor allem können Puliaev und Scherf einander gut zuhören.

So bricht kein Spannungsbogen ab. Die Musik zieht wie ein Wasserfall oder ein murmelnder Bach am Zuhörer vorbei. Die Kraft des so erzeugten Sogs zog die Zuhörer auf Burgau unwillkürlich mit sich – zurück in die Zeiten jenes im Titel beschworenen Preußenkönigs, der die Frauen mindestens ebenso liebte wie die Musik, und Zeit seines Lebens als begabter Cellist galt. Wie ein Dialog, nur halt ein mit Akkorden geführter: Derart kultiviert wirkte das Zusammenspiel des Pianisten, der mit seinem eigenen, nach historischem Vorbild gebauten Hammerklavier nach Niederau angereist war, mit dem Cellisten. Ihr melodischer Wortwechsel begann mit Beethovens Variationen über ein Thema aus Händels „Judas Maccabäus“, zu dem viele Menschen heute noch das Weihnachtslied „Tochter Zion“ singen, und setzte sich mit der, wie Conferencier Scherf anführte, „in königlichem C-Dur gehaltenen“ Sonate Nr. 2 von Luigi Boccherini auf andere Weise feinsinnig fort. Überhaupt nutzten die beiden Gäste ihr Konzert im Schloss nur zu gerne, über ihre Freude um filigranen Wechselspiel vor Publikum auszuleben. Besonders zwei Variationszyklen, der von Beethoven über die Arie aus „Die Zauberflöte“ und Mozarts Veränderungen eines Menuetts von Jean Pierre Duport, dienten ihnen als Podium, um ihre Freude an der Melodie und ihren Scharaden auszukosten. Das Publikum im nicht ganz ausverkauften Saal dankte den Künstlern ihr Engagement bar jeder Routine, das Alexander Scherf als Moderator kenntnisreich und humorvoll bereicherte, mit herzlichem Beifall. (ch)

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