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Spannungen, lyrische Passagen, Romantik

Datum:27.02.2013
Zeitung:Dürener Zeitung
Oratorienchor und Sinfonieorchester der Cappella bieten mit "Die Zerstörung Jerusalems" ein Karussell der Gefühle




Von Hannes Schmitz

Düren. Nicht auf ausgetretenen musikalischen Pfaden wandelte die Cappella Villa Duria bei ihrem Konzert zur Passionszeit. Sie wurde ihrem Anspruch gerecht, Neues entdecken zu wollen und dem Publikum Überraschendes zu präsentieren. Eine spannende Aufgabe hatten Oratorienchor und Sinfonieorchester sich gestellt und „Die Zerstörung Jerusalems – Oratorium nach Worten der Heiligen Schrift op. 24“ von Ferdinand Hiller ausgesucht.

1840 führte Hiller sein großes Oratorium im Leipziger Gewandhaus zum ersten Mal auf. Es handelt von der Geschichte um die Eroberung Jerusalems durch den babylonischen König Nebukadnezar. Der erfolgreichen Uraufführung folgten Aufführungen in allen großen europäischen Konzertsälen, bis das Werk in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet. Im November 2011 erweckten Gewandhauschor und -orchester Hillers großes Werk wieder zum Leben.

Noten schwer zu bekommen
Bevor die Einstudierung begann, musste die CVD ein Problem klären: Die Noten waren nicht so ohne weiteres erhältlich. Das Gewandhaus Leipzig stellte der Cappella Villa Duria aber das Material zur Verfügung. Ein Glück, denn dass, was die Zuhörer in der Marienkirche jetzt auf sich wirken lassen konnten, war über weite Strecken ein hervorragendes Klangerlebnis.

Spannungen, lyrische Passagen, Romantik pur, unterschiedliche Dynamiken – von der Entrücktheit bis zum Entsetzen, von der Hoffnung bis zum Tod, vom aufbrausenden Kriegsgeschrei bis zum Klagelied – das epochale Werk mit großen Arien und Chören bot ein wahres Karussell der Gefühle, hatte fast opernhaften Charakter.

Eine starke Leistung bot der Oratorienchor, der durch seine Klangschönheit und Homogenität überzeugte. Dirigent Johannes Esser schaffte es, Spannungen und Anspannungen im Klangkörper hochzuhalten. Dieser strahlte eine hohe Dramatik aus, agierte mal temperamentvoll, mal zurückhaltend.

Anspruch und Umsetzung stimmten. Ebenso spielte das Orchester auf hohem Niveau, wenn auch manchmal, wenn Chor und Orchester „voll aufdrehten“, die Klangfülle das Publikum ein wenig erdrückte.

„Chor der babylonischen Krieger“
Mehr „Biss“ hätte man sich allenfalls vom Männerchor beim „Chor der babylonischen Krieger“ gewünscht. Der eigentlich martialische Aufschrei war etwas dünn geraten, wohl bedingt durch den Ausfall einiger Sänger, welche die Grippe erwischt hatte.

Unterschiedlich waren die Leistungen der Solisten. Aus dem Quartett stach Bariton Wolfgang Tombeux hervor, der in der Rolle des Propheten Jeremias ungeahnte Innigkeit und Vitalität entwickelte. Eine Partie, die ihm sichtlich lag. Sein Klagelied gehörte zu den eindringlichen Momenten des Oratoriums. Nicht ihren stärksten Tag hatten Sopranistin Marion Schoeller, Tenor Walter Drees und Altistin Anna Fischer erwischt. Ihre Darbietungen schwankten zwischen gelungen geschafft und hörbaren Intonationsschwächen.

Das Publikum feierte dennoch die Aufführung, die unter der Leitung von Johannes Esser stand. Mit Recht: ein starker Wolfgang Tombeux sowie ein herausragender Chor und eine starke Orchesterleistung entschädigten für einige schwächere Solistendarbietungen.

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